Positive und negative Effekte von Kalk Kalkhaltiges Wasser liefert wertvolle, für den Men- schen essentielle Mineralien wie Magnesium und Kalzium. Kalziumkarbonat-Ablagerungen in Wasser- leitungen für Leitungs- oder Kühlwasser verursachen jedoch Probleme wie verstopfte Leitungen, ver- stärkte Biofilmbildung oder Korrosion. Die Entfer- nung dieser Kalkschichten ist mechanisch aufwän- dig und benötigt Entkalkungsmittel. Präventiv kann das Wasser mit Chemikalien oder Ionenaustau- schern behandelt werden, die allerdings umwelt- schädigend sind und zusätzlich entsorgt werden müssen. Zudem werden so lebenswichtige Kalzium- ionen komplett aus dem Trinkwasser entfernt, die dann ergänzt werden müssen. Elektrische Antifouling-Systeme (EAF) bieten eine nachhaltige Alternative. Sie geben elektrische Impulse an Wasserleitungen, die zu einer Reduktion der Kalkablagerungen führen sollen, ohne dabei die Mineralien aus dem Wasser zu entfernen. Obwohl diese EAF-Systeme bereits verbreitet sind und es ver- mehrt Studien dazu gibt, ist ihr Wirkmechanismus nicht vollständig erforscht. Neue Kalziumkarbonat-Mikrostruktur entdeckt Das interdisziplinäre Team unter Leitung von Dr. Sina Saxer (Hochschule für Life Sciences FHNW) hat in einer Machbarkeitsstudie mit EAF-Geräten des Projektpartners Hydro Service Schweiz AG eine Re- duktion von Kalkablagerungen nachweisen können. Zudem identifizierten die Forschenden eine bisher unbekannte, mandelförmige Mikrostruktur von Kal- ziumkarbonat, die sie µAlmonds nannten. Im gleichnamigen Nano-Argovia-Projekt µAlmond wird das Team nun mithilfe der Röntgenabsorptions- Mikrospektroskopie diese neue Mikrostruktur detail- liert analysieren und in Echtzeit untersuchen, wie diese unter dem Einfluss elektrischer Felder beim Einsatz der EAFs entstehen. Zudem prüfen die For- schenden, wie verschiedene Kalziumkarbonat-For- men (Calcit, Aragonit, µAlmonds) von menschlichen Darmzellen aufgenommen werden können. Sollten µAlmonds eine höhere Bioverfügbarkeit aufweisen, könnten sie auch als Nahrungsergänzungsmittel oder Biomaterialien interessant sein. Das Ziel des für zwei Jahre geplanten Projekts ist es, den Wirkmechanismus von EAF-Systemen aufzuklären und so die Entwicklung massgeschnei- derter Lösungen für Haushalte und Industrie voran- zutreiben. Gleichzeitig könnten die Erkenntnisse über µAlmonds den Weg für innovative Ansätze in der Ernährungswissenschaft und Materialforschung ebnen. Verständnis von elektrischen Antifouling-Systemen und Kalziumkarbonat-Mikro- strukturen Im Nano-Argovia-Projekt µAlmond untersuchen Forschende grundle- gende Fragen zur Kristallbildung von Kalziumkarbonat (CaCO3) in Was- sersystemen. Sie studieren dabei den Wirkungsmechanismus eines elektrischen Antifouling-Systems und analysieren die Bedeutung ver- schiedener Kristallformen für Wasserqualität und Gesundheit. Kooperation von: Hochschule für Life Sciences FHNW Paul Scherrer Institut Hydro Service Schweiz AG (Wohlen) Weitere Informationen: Nano-Argovia- Programm Hochschule für Life Sciences FHNW Paul Scherrer Institut PSI Hydro Service Schweiz AG 10 SNI INSight Juni 2026 Nano-Argovia-Programm

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