Unterstützung beim Einbau von Membranproteinen Forschende haben erstmals gezeigt, wie ein bestimmtes Hilfs- protein (Chaperon SurA) Membranproteine gezielt an eine Pro- teinfabrik in der äusseren Membran gramnegativer Bakterien (BAM-Komplex) liefert. Mithilfe hochauflösender Kryo-Elektro- nenmikroskopie entdeckte das Team, in dem auch ein Dokto- rand der SNI-Doktorandenschule mitarbeitet, dass Chaperon SurA beim Andocken an den BAM-Komplex eine ausgeprägte Schwenkbewegung ausführt. Diese Bewegung steuert offenbar die kontrollierte Übergabe der Proteine in die bakterielle Mem- bran. Die in der Wissenschaftszeitschrift «Science Advances» veröffentlichten Ergebnisse liefern neue Einblicke in einen zen- tralen Lebensprozess von Bakterien und könnten neue Ansatz- punkte für Antibiotika eröffnen. Originalpublikation: https://www.science.org/doi/10.1126/sciadv.ads6094 Die Schwenkbewegung des Chaperons SurA steuert offenbar die gezielte Übergabe von Proteinen an den BAM-Komplex, der sie anschliessend in die äussere bakterielle Membran einbaut. (Abbildung: M. Degen, Biozentrum und SNI, Universität Basel) Dünne Membranen für bessere Wirkstofffreisetzung Forschende aus dem SNI-Netzwerk haben spezielle Blockcopo- lymere entwickelt, um verbesserte pH-empfindliche Nano- carrier mit einer dünnen Membran herzustellen, die Wirkstoffe besonders effizient freisetzen können. Durch gezielte Anpas- sung der Polymerstruktur verringerten sie die Membrandicke und verbesserten so die Freisetzungsgeschwindigkeit. Getestet wurde dies mit verschiedenen Modellmedikamenten, darunter auch Doxorubicin, unter leicht sauren Bedingungen wie sie in Tumoren vorkommen. Die Nanocarrier zeigten keine Zellschä- digung und bieten damit vielversprechende Ansätze für die zu- künftige gezielte Medikamentenabgabe wie die Forschenden in dem Wissenschaftsjournal «Macro Molecular Rapid Communi- cations» berichten. Originalpublikation: https://doi.org/10.1002/marc.202500418 Die entwickelten Vesikel mit einer dünnen Membran setzen ihre Fracht bei einem bestimmten pH-Wert effektiv frei. (Bild: A. Nikoleti ć , Departement Chemie und SNI, Universität Basel und FHNW) Strukturaufklärung dank Elektronenbeugung In Zusammenarbeit mit dem im Netzwerk des SNI gegründeten Startup ELDICO Scientific analysierten Forschende die Struktur komplexer Moleküle mithilfe von 3D-Elektronenbeugung (3D ED) – was mittels klassischer Röntgenkristallographie nicht möglich war. Konkret analysierten sie Produkte der sogenann- ten atroposelektiven Ringspaltungsreaktion und belegten damit die Leistungsfähigkeit der Elektronendiffraktometrie für die 3D-Strukturaufklärung bei kleinen Kristallen. Die Arbeit er- schien in dem Wissenschaftsjournal «Chimia». Die Grundlage für die Gründung von ELDICO Scientific lie- ferte das Nano-Argovia-Projekt A3EDPI. Die oben beschriebene Zusammenarbeit fand im «Electron Diffraction Experience Cen- ter» statt, bei dem Messungen an dem Elektronendiffraktome- ter in Zusammenarbeit mit ELDICO Scientific für SNI-Mitglieder möglich sind. Bericht SNI INSight: https://bit.ly/4a6P0dg Originalpublikation: https://www.chimia.ch/chimia/article/view/2025_255 27 SNIJahresbericht 2025
Jahresbericht 2025: Swiss Nanoscience Institute Page 26 Page 28